




SERIE: Köstlicher Goldstaub (MAZ vom 08.09.2011)
Rund 600 Gäste besuchten das Baruther Weinbergfest und kosteten den dortigen Rebsaft
BARUTH/MARK - Er schmeckt wirklich köstlich und der Name passt dazu: „Baruther Goldstaub“. Noch vor zwei Monaten gerieten bei der Jungweinprobe nur die Freunde sehr, sehr trockenen Rebsafts in Verzückung. Seitdem konnte der Baruther Weißwein des Jahrgangs 2010 noch etwas lagern. In dieser Zeit ist er weiter gereift und hat ein rundes, trockenes und gleichsam fruchtig-erfrischendes Bukett angenommen.
Die 100 Halbliterflaschen dieses Eigengewächses, die am vergangenen Samstag beim 5. Baruther Weinbergfest zum Verkauf angeboten wurden, waren in kürzester Zeit „leergetrunken“, was in der Winzersprache so viel bedeutet wie „ausverkauft“ (was wiederum von der tatsächlichen Bedeutung her fast identisch sein dürfte). Aber gut, dass es in Deutschland mehrere und vor allem größere Anbaugebiete gibt, die den weiteren Bedarf an Wein decken konnten. Durstige Kehlen genossen während des Baruther Weinbergfestes am Samstag auch Weine von befreundeten Winzern aus Baden und aus Franken sowie viel Mineralwasser. Denn die Sonne brannte ebenso freundlich wie unbarmherzig auf den Weinberg und seine rund 600 Besucher. Wohl dem, der einen Sonnenhut aufgesetzt hatte. Denn gut behütet ließ es sich an diesem Spätsommertag am besten aushalten. Aber auch ohne Hut fand man Schatten unter dem großen Nussbaum oder im Festzelt auf der Kuppe des Weinbergs.
Für Stimmung sorgten die Musiker des „Kreuzberger Südstern-Ballonorkesters“, die ihre Bühne ebenfalls im Schatten des Nussbaums aufgebaut hatten.
Und wer nicht nur den Wein trinken, sondern auch etwas über ihn erfahren wollte, folgte Ragna Haseloff und Horst Heinisch vom Verein I-KU.net, dem Institut zur Entwicklung des ländlichen Kulturraums, um an einer Führung über den Weinberg teilzunehmen. Das Ehepaar erläuterte fachmännisch die ökologische Anbauweise des Baruther Weins. Die beiden Landschaftsarchitekten, die sich durch ihr Engagement in diesem Verein und in diesem Projekt in den vergangenen Jahren zu richtigen Freizeit-Winzern entwickelt haben, betonten stolz, dass die Baruther Weinstöcke noch nie gespritzt worden sind, während üblicherweise im herkömmlichen Weinbau achtmal im Jahr gespritzt werde. Um das zu vermeiden, habe man sich für pilzresistente Neuzüchtungen – die Weißweinsorten Helios, Johanniter und Solaris und die Rotweinsorte Cabernet Cortis – entschieden.
Wenn der Ertrag auch in diesem Jahr nicht überragend sein sollte, dann liegt das nicht am ökologischen Weinbau, sondern an den ähnlich schlechten Witterungsbedingungen wie im Vorjahr: strenger Winter, trockenes Frühjahr und feuchter Sommer. Die unteren Weinstöcke bekamen im Mai sogar noch Spätfrost ab, die oberen aber nicht, weil das eine „super Lage“ ist, so Ragna Haseloff.
www.i-ku.net (Von Hartmut F. Reck)
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14. SEPTEMBER 2011 (MAZ vom 08.09.2011): Frost- und Hagelcuvée
Großer Aufwand für wenig Wein / Die Lese brachte nicht viel ein

BARUTH - Morgenstund hat Goldstaub im Mund. Das hier nach dem Namen des Baruther Weins umgewandelte Sprichwort traf auf den gestrigen Ernteertrag leider nicht zu. Um 7 Uhr in der Frühe rückten sieben I-Ku-Mitglieder und Rebpaten auf dem Mühlenberg am Stadtrand von Baruth an, um an dessen Südhang die Trauben der gut 1300 Rebstöcke zu pflücken. Bereits nach anderthalb Stunden war die Arbeit getan.
Karsten Wittke, Vorsitzender des Vereins Institut zur Entwicklung des ländlichen Kulturraums (I-Ku), der vor vier Jahren die ersten Rebstöcke auf einem der drei ehemaligen Weinberge Baruths wieder angepflanzt hatte, blickt tief in die noch halbleere Bütte. Ganz voll dürfte der Behälter nicht werden und am Ende der Lese gerade mit genügend Trauben gefüllt sein, dass es sich für den Winzer in Jessen lohnt, seine Weinpresse dafür anzuwerfen.
„Im vergangenen Jahr hatten wir zwei volle Bütten“, erinnert sich Horst Heinisch vom Verein. Damals hatten die Schüler der 8. Klasse der Freien Oberschule Baruth fleißig bei der Lese mitgeholfen. Auf diese Unterstüztung verzichtete man diesmal. Stattdessen ging am Montag eine Rund-Mail an alle Rebpaten, die sich finanziell an diesem landwirtschaftlichen Kulturprojekt beteiligen, mit der Bitte, am Mittwoch mitzuhelfen. Nur wenige konnten den kurzfristig angesetzten Termin wahrnehmen, aber es reichte. Besonders freute sich der zwölfjährige Theo Domnick aus Berlin-Kreuzberg, der mit seinem Vater angereist war, über seinen Arbeitseinsatz. Seine verständnisvolle Lehrerin hatte ihm dafür freigegeben. Am Ende der Lese um 8.30 Uhr blickt er betrübt auf seine Armbanduhr. Die letzten Schulstunden an diesem Tag muss er wohl doch noch mitmachen.
Auf eine sortenreine Trennung der vier Rebsorten wird angesichts der geringen Mengen verzichtet. Schon letztes Jahr hatte man dann doch den Wein zu einem Cuvée gemischt und ist damit sehr gut gefahren. Sogar der eine Eimer mit roten Trauben wird wohl mit dazugegeben.
„Wir retten heute das, was wir haben“, meint Wittke. Der dritte Jahrgang des „Baruther Goldstaubs“ wird wohl gerade mal reichen für die Weinpaten. Auch werden ein paar Flaschen übrig bleiben für die Stadt Baruth. Mehr konnte man nach dem Frost im Mai auch nicht erwarten. Er hatte den im heißen April zu früh gewachsenen jungen Trieben den Garaus gemacht. Allein dadurch sei ein Drittel der Ernte kaputt gemacht worden, schätzt Wittke. Und der Hagel am Sonntag habe nochmal rund 20 Prozent der Trauben zerstört. (Von Hartmut F. Reck)

BARUTH/MARK - Im Land Brandenburg sind 113 Rebsorten, 62 Weiß- und 51 Rotweine, zugelassen, die den Titel Brandenburger Landwein tragen dürfen. Vor 14 Tagen erst hat das Landwirtschaftsministerium die Liste zur Genehmigung nach Brüssel zur EU geschickt. Und ausgerechnet die Rebsorte Felicia ist nicht darunter, die sich jetzt Horst Heinisch ausgeguckt hatte, um sie im nächsten Jahr auf dem Baruther Mühlenberg anzupflanzen. Da war er wohl etwas zu spät, um diese Sorte noch anzumelden.
Heinisch sitzt mit seiner Frau Ragna Haseloff und Karsten Wittke vom Verein Institut zur Entwicklung des ländlichen Kulturraums (I-Ku) vor dem Computer. Sie haben die Internetseite einer Rebschule aus Heppenheim an der Hessischen Bergstraße aufgerufen und fachsimpeln darüber, welche Rebsorte denn nun zu dem sandigen Boden und der generellen Ablehnung jedes Pestizideinsatzes passen würde.
Felicia würde wirklich gut in das Profil der Baruther Hobby-Winzer passen: hohe Resistenz gegen Pilz und Mehltau, geringer Anspruch an den Boden, trotzdem kräftiger Wuchs und guter Ertrag. Da die Baruther Freizeit-Winzer aber gern als Brandenburger Wein firmieren wollen, muss man auf diese Rebsorte jetzt halt verzichten. So liebäugelt man mit Saphira, aber es stellt sich heraus, dass diese Rebsorte bis 2013 ausverkauft ist. Außerdem stellt sich heraus, dass sie nicht in den Berg passt, weil sie hohe Ansprüche an den Boden stellt, weiches Holz hat und nicht so frostbeständig ist, wie sie es in diesen nördlichen Breitengraden sein sollte.
Man besinnt sich schließlich auf das, was man kennt, und schon auf der alten Anbaufläche gepflanzt hat: Helios, Johanniter und Solaris. Alles relativ junge Weißweinsorten, die gezüchtet wurden, um pilzresistent zu sein. Denn gespritzt werden soll auf dem Baruther Berg nicht. „Das tut den Menschen nicht gut, die den Wein trinken, und das tut dem Boden nicht gut“, sagt Wittke.
Auf ihre Weißweine schwören sie. Vom Rotwein kommen die Baruther Winzer dagegen ab. „Der Cabernet Cortiz wächst zwar sehr gut, schmeckt aber nicht besonders“, sagt Ragna Haseloff. Also fliegt der Rotwein raus. Überhaupt, meint Karsten Wittke, habe er schon viele Brandenburger Rotweine probiert, aber keiner habe ihm richtig gemundet. „Dann kaufe ich mir doch lieber einen guten Roten anstatt schlechten zu machen.“
Darin sind sich die drei I-Ku-Aktivisten einig. Das Sortiment soll trotzdem erweitert werden, aber eben um einen Weißwein: Muscaris. Diesen möchte man gegebenenfalls gesondert, also sortenrein ausbauen als betont fruchtigen Dessertwein oder auch trocken, um das Geschmacksprofil des Baruther Weinbergs zu erweitern. Ziel ist es, einmal fünf verschiedene Sorten einschließlich Cuvée anbieten zu können. Aus Muscaris und Solaris könnte man auch Winzersekt machen, aber das dauert mindestens noch drei Jahre.
Die ersten 570 Muscaris-Rebstöcke wurden in diesem Jahr gepflanzt neben 390 weiteren Johanniter- und 300 Solaris-Stöcken. Im nächsten Jahr sollen 1100 Helios- und jeweils 800 Johanniter- und Solaris-Rebstöcke in den sandigen Boden des Baruther Mühlenbergs gesteckt werden, die jetzt bei einer Rebschule aus dem fränkischen Sommerhausen im Maintal, südlich von Würzburg bestellt werden.
Auf 10 400 Quadratmetern, also einem guten Hektar, darf jetzt in Baruth Weinbau betrieben werden. Bis zu diesem Jahr vor der ersten Neupflanzung waren es nur 3000 Quadratmeter. „Die restlichen 7400 Quadratmeter nutzen wir voll aus“, sagt die Landschaftsarchitektin Ragna Haseloff und zeigt auf den Computerbildschirm. Dort ist ein Luftbild des Baru-ther Weinbergs zu sehen, auf dem die Rebstockreihen schon aufgezeichnet sind. (Von Hartmut F. Reck)